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Der Lichternsee bei Ulm

Historie

Ursprünglich war der Lichternsee ein Donau-Altwasser, das durch einen Rohrzufluss von der Donau gespeist wurde. Der Ablauf erfolgte durch den Landgraben bis zur alten Donau und den Auslauf in das Donaubett beim Steg am Wiblinger Kraftwerk. In dieser Zeit gilt der Lichternsee als ergiebiges Aal- und Schleienwasser.


Der Lichternsee sowie die Gronne wurde mit Beginn der 50er-Jahre von der Firma Kässbohrer ausgebaggert. Diese Ausbaggerung war nötig, da man Rückhaltebecken für das Wiblinger Kraftwerk benötigte. Bei den Baggerarbeiten wurde der Lichternsee oberhalb der Kastbrücke zur Donau hin geöffnet und dieser Einlauf ist bis in die heutige Zeit noch vorhanden. In dieser Zeit wurde zum Schutze des Industriegebiets im Donautal ein Hochwasserdamm von Gögglingen bis zur Kastbrücke errichtet. Der See diente ab dieser Zeit als Naherholungsgebiet für Ulmer Bürger und jeden, der Lust auf Natur hatte.


Der Lichternsee entwickelte sich zu einem Gewässer, das von Schilf umsäumt und mit großen Seerosenfeldern verziert war. Diese Schilfzonen und Seerosenfelder waren die besten Laichplätze für viele Fischarten. Der Lichternsee war mit Karpfen, Schleien, Wallern, Hechten, Zandern, Aalen, Rapfen sowie Brachsen, Güstern, Rotaugen, Rotfedern und anderen Köderfischen bevölkert.


Augenzeugen, die im Kieswerk beim Käßbohrer am Lichternsee gearbeitet haben, berichteten oft von guten und kapitalen Fischfängen. Der Lichternsee war zu dieser Zeit ein gutes und gesundes Ökosystem. Dies änderte sich mit der Öffnung zur Donau.

Verfahren „Einrichten Naturschutzgebiet“

Vorgeschichte

Der Lichternsee war seit jeher Landschaftsschutzgebiet, im Gegensatz zur Gronne die schon vor vielen Jahren als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde. 

 

Der Lichternsee wurde von der Allgemeinheit, sprich Wiblinger Bürger, Angler, Marinejugend und Spaziergänger als Naherholungsgebiet genutzt und erfreute sich großer Beliebtheit.  Die Natur war intakt und es siedelte sich eine immense Tier- und Pflanzenwelt an. Dies alles geschah in den 70er und 80er Jahren, nach Einstellung der Baggerarbeiten.

 

Die einzige Fraktion die sich mit dem Zustand nicht anfreunden konnte, waren die Vogelschützer rund um die Herren Maier und Anka – denen war die Freude der Menschen am See schon immer ein Dorn im Auge. 

 

Seit ca. 20 Jahren versuchten die Vogelschützer vor allem die Angler vom Gewässer zu drängen, die würden die Vögel stören und vertreiben. Nachdem die Diskussionen zwischen Stadt Ulm, Tübingen, Anglern und Vogelschützern über Jahre keine wirkliche Bewegung erfahren haben, ging es dann doch recht schnell. Ein Gutachten über die Vogelwelt am See, erstellt von denen die seit Jahren darum kämpfen alle anderen dort auszugrenzen, gab den Anstoß für ein von Tübingen in Gang gebrachtes Verfahren – zumindest den offiziellen Anstoß.

 

Würdigung

2013 erstellte Tübingen eine Würdigung, die als Grundlage des Verfahrens zur Ausweisung des Lichternsees als Naturschutzgebiet dienen sollte. In der Würdigung stehen viele lustige und an den Haaren herbeigezogenen Dinge, eine Entgegnung darauf wurde aber nicht einmal zur Kenntnis genommen. Dies war auch bei allen Diskussionen und Entgegnungen der Tenor, keine Diskussion. Ein Mitarbeiter aus Tübingen gab dann auch an, Tübingen sei das Verfahren nicht so wichtig, aber Ulm wolle das! D.h. übersetzt, Schwachsinn oder nicht, es musste halt so kommen – Böse Zungen behaupten, weil ein scheidender Bürgermeister noch jemand einen Gefallen schuldete oder sich noch ein Denkmal gönne(r)n wollte. Um klar zu machen auf welcher Ebene sich dieses Märchenbuch auf 29 Seiten bewegt, hier der Auszug der belegen soll warum vor allem Angler raus müssen! 

 

4 Beeinträchtigungen und Gefährdungsfaktoren

4.1 Erholungsnutzung und Angelfischerei

Sedge Warbler Bird Avian Animal - Psubraty / Pixabay

Schillfrohrsänger in Aktion
Psubraty / Pixabay

Neben den Untersuchungen von BORSUTZKI (2010) belegen die Beobachtungen von Gebietskennern (K. ANKA, Gögglingen, R. MAIER, Ulm) seit den 1980er Jahren den Wandel und Rückgang der Vogelfauna im Gebiet Lichternsee und Gronne. Zahlreiche wertgebende Vogelarten, darunter Drosselrohrsänger, Kiebitz, Ortolan, Schilfrohrsänger und Zwergdommel datieren mit ihrem letzten Nachweisjahr vor 2000. Unter den 2008 / 2009 nicht mehr festgestellten Arten finden sich auch ehemals häufige und weit verbreitete Arten wie z.B. die Feldlerche, der Bluthänfling und der Gartenrotschwanz (BORSUTZKI 2010).

 

Als wesentliche Ursache für den Rückgang der nachgewiesenen Vogelarten kann – neben den allfällig bekannten Folgen des Landschaftswandels – der angewachsene Erholungsdruck auf das  Gebiet als wahrscheinlich gelten. BORSUTZKI (2010) weist im Gebiet des Lichternsees eine geringere Arten- und Individuendichte von Brutvögeln im Vergleich zu den rechts der Donau gelegenen Flächen bei vergleichbarer Strukturvielfalt nach. Der Unterschied ist wahrscheinlich bedingt durch die weitaus zahlreicheren Besucher, die relativ gute Zugänglichkeit des Westufers und das weitgehende Fehlen von Flachwasserzonen mit Röhricht und Gebüsch, welche die Freizeitnutzung im Vergleich zum NSG „Gronne“ erleichtern. Auch die nur gelegentlich stattfindenden Fischereiaktivitäten am Damm zwischen Lichternsee und Donau können für scheue Vogelarten v. a. in der Brut und Aufzuchtzeit störend wirken, da es nur wenige gedeckte Brutmöglichkeiten gibt.

 

Auch für die Vegetation entstehen Beeinträchtigungen durch Erholung und Angelfischerei: Ausgehend von den bestehenden Wegen (Hochwasserdamm, Fußgängerbrücke) durchzieht eine Vielzahl von z. T. ausgeprägten Pfaden das gesamte Gebiet. Dies betrifft zumeist die westlichen Uferzonen des Lichternsees. Aber auch die schmalen Dämme beiderseits der Donau werden regelmäßig begangen. Durch die Trittbelastung werden Pflanzen verdrängt und der Boden verdichtet; es stellt sich eine Trittrasengesellschaft ein. Neben den linearen Trittbelastungen sind auch flächige Trittbelastungen vorhanden, so etwa im Bereich von Angelplätzen, Einstiegen für Badende und Lagerplätzen mit Feuerstellen auf den seenahen Wiesenflächen. Dabei wird die standorttypische Vegetation beeinträchtigt und teilweise zerstört (z. B. Schilfröhricht). An stärker von Erholungs- und Freizeitnutzern frequentierten Stellen werden Abfälle und Fäkalien zurückgelassen.

 

Auch künftig ist für das Gebiet ein starker Freizeitdruck zu erwarten.

Summer Relaxation Summer Hat - Anrita1705 / Pixabay

Der Freizeitdruck steigt unkontrolliert
Anrita1705 / Pixabay

Anmerkung: Wenn die Vögel früher (vor 1980) da waren, trotz Anglern, ist die Vermutung eher wage, dass sie dann wegen der Angler verschwunden sind. Vielleicht hätte ein Blick auf die Wachstums- und Verkehrszahlen des 200 m entfernt liegenden Industriegebiet Donautal (Das größte Industriegebiet in Ulm) eher einen Hinweis auf die festgestellten Veränderungen gegeben?

 

Faszinierend wie man mit Wörtern wie, „kann als wahrscheinlich gelten“, „wahrscheinlich bedingt“, „können störend wirken“ einen ganzen Apparat in Tübingen hinters Licht führen, und seinen Willen durchsetzen kann?  

 

Folder Folders Office Paperwork - vargazs / Pixabay

Bürokrtie vom Feinsten
vargazs / Pixabay

Verordnung

Egal, es kam wie es kommen musste, der Lichternsee wurde 2014 unter Naturschutz gestellt. Alle Argumente die vorgebracht wurden dies nicht zu tun, blieben ungehört und unbeantwortet. 

https://www.ulm.de/-/media/ulm/sub/sub-v/downloads/natur-und-landschaft/nsg-lichternsee-verordnung.pdf

In der Verordnung ist dann besiegelt, dass vor allem Angler, aber auch andere Nutzer aus großen Teilen des Sees verbannt und in Korridore gezwängt werden.

 

In der Verordnung ist auch noch von vielen Maßnahmen die Rede, die strukturverbessernd sein sollen und Besucherströme umlenken sollen. Über Sinn und Unsinn dieser Maßnahmen lässt sich auch wieder trefflich streiten, vor Allem wenn man bedenkt, dass die Gehölze, die lt. Würdigung einer Vielzahl von Vögeln Lebensraum bieten, entfernt werden sollen?  

 

Umsetzung

Sofort nach in Kraft treten der Verordnung wurden die Angler aus über der Hälfte des Sees verbannt. Von allen in der Verordnung geplanten Maßnahmen ist bis März 2020 kein einzige umgesetzt, so viel zur Wichtigkeit dieser Vorhaben!

 

Die aktuell geplanten Maßnahmen sind exakt so umfangreich wie teuer und schwachsinnig. Es sollen Gehölze entfernt werden (die als Grund für Vogelvielfalt angegeben wurden), Dämme umgebaut und Flachwasserzonen geschaffen werden.  

 

Excavators Danube Ulm Bank River - bluelightpictures / Pixabay

Großflächige Umbaumaßnahmen im Naturschutzgebiet?!
bluelightpictures / Pixabay

Die Prognose ist, dass alle diese Maßnahmen nichts bringen werden, warum?

  1. – Die Vögel werden nicht mehr, deren Rückgang hat andere Gründe
  2. – Die Besucher lassen sich nicht umlenken, da auch nichts kontrolliert wird
  3. – Flachwasserzonen werden binnen kurzer Zeit verlanden, da die wahrscheinlich nicht, oder falsch genehmigte südliche Öffnung zur Donau dafür Sorge tragen wird, dass alles verschlammt. 

 

Kontrolle

Kontrollen am See finden so gut wie nicht statt, die Zuständigkeiten werden hin und hergeschoben, aber es geschieht nichts. Wir können folgendes beobachten:

 

  • – Es gibt Schwarzfischer am See
  • – Es gibt wilde Camper am See
  • – Es gibt nach wie vor Saufgelage am See
  • – Es wird nach wie vor zugemüllt
  • – Hundebesitzer leinen ihre Hunde nicht an
  • – Spaziergänger laufen wo Sie wollen
  •  

Ach ja, und das sind alles Feststellungen die mit den legalen Anglern am See rein gar nichts zu tun haben! Auch wäre es schön, wenn 6 Jahre nach der Ausweisung zum Naturschutzgebiet mal eine unabhängige Instanz die Vögel zählen würde – wetten, dass es nicht mehr Arten geworden sind!

 

Fazit

Baron von Münchhausen und die Schildbürger müssten vor Neid erblassen, so das Credo zu diesem Naturschutzverfahren. Leider handelt es sich in diesem Fall nicht um Fiktion und Märchen, sondern um harte, deutsche Realität. So geht Verschwendung von Zeit, Ressourcen und vor allem Geld, in Deutschland. Ein Land in dem 85 Mio Menschen leben, das zu fast 100% eine vom Menschen geformte Kulturlandschaft darstellt lässt sich nicht einfach mit einem Bagger in entworfenen Naturlandschaft formen, die dann auch noch wie geplant funktioniert! Aber es gibt gewisse Menschen die genau das glauben und es mit dem Steuergeld der anderen versuchen! 

Der Zustand des Lichternsee heute

Wir wollen hier aufzeigen das es sich bei dem Gebiet Lichternsee um ein bereits eingespieltes naturnahes Ökosystem handelt oder handelte. Und dies bevor der Mensch, durch dessen Hand dieser See einst entstand, meinte mit verblendet vorauseilendem Naturschutzgedanken in dieses Ökosystem eingreifen zu müssen.

 

Eine wissenschaftliche Abhandlung der Universität Ulm von 1980 (1) zeigt deutlich, dass der damals noch junge See alle Voraussetzungen hatte sich zu einem prächtigen Gewässer zu entwickelt. 

 

Diese Entwicklung durften wir Angler miterleben. Ein großer Artenreichtum an heimischen Fischen, sowohl in Diversität wie auch in Masse, war im Lichternsee ständig zu finden. Amphibien, Schlangen, Echsen und auch Kleinsäuger nutzten die ausufernden Schilf- und Röhrichtgebiete ebenso wie die umfassende Vogelfauna. 

 

Letzterer scheint heute der alleinige Fokus des „Naturschutzes“ zu gelten.

 

Trotz oder dank den Anglern, die mit Ihren Putzaktionen am Wasser unermüdlich für die Sauberkeit, Qualität und Erlebbarkeit des Gebietes sorgen, siedelten sich hier auch seltene Arten an. 

 

Vorzeigestück des etablierten Naturschutzes etwa der Eisvogel. Aber auch Wildhamster, seltene Echsen und Fischarten konnten hier vom geneigten Beobachter immer wieder gesehen werden. 

 

Aber auch vor einer Perle wie dem damaligen Lichternsee macht die Zeit, der ökologischen Wandel und die „Naturschutzwut“ mancher keinen Halt.

 

So wurde Mitte der Neunziger Jahre im hinteren, südöstlichen Teil ein Durchstich durch den Donaudamm geschaffen. Bis heute ist uns unbekannt wer diesen genehmigt bzw. durchgeführt hat. Eine förmliche Naturschutzanfrage beim Regierungspräsidium Tübingen blieb bis dato unbeantwortet (Stand 04.2020).

 

Durch diesen Durchstich, welcher vermutlich gut gemeint war, wurde eine ganze Reihe von Prozessen in Gang gesetzt, welche die Güte, den Artenreichtum und das Gewässer in uns unvorstellbarer Geschwindigkeit verändert hat.

 

Betrachten wir zunächst den Durchstich an sich.

 

Das älteste Dokument, das Google Earth Pro zur Verfügung stellt zeigt den Durchstich im Jahre 2001, damals schon mit 5,8m bedeutend breiter als das einstige Baggerschaufel breite Rinnsal, welches in einer Nacht und Nebel Aktion gezogen wurde.

 

2018 zeigt eine signifikante Änderung: Der Einlauf an der Donau hat sich auf das über 10fache verbreitert, ca. 58m Wassereinlass in ein ehemals stehendes, gesundes Gewässer. 

 

Quelle Google Earth Pro, Bild 1 zeigt Durchstich 2001, Breite ca. 5,5m, Bild 2 zeigt Durchstich 2018, Breite ca. 58m
Geht man in der Zeit zurück erkennt man, dass zu Anfang des Durchstichs noch keine Verlandung sichtbar war.

Doch was bedeutet dies für das Gewässer?

Aus den Aufzeichnungen der wissenschaftlichen Abhandlung von 1980 ersehen wir eine durchschnittliche Tiefe des Sees von ca. 4m. Strukturiert mit Bereichen bis zu 6m bot die Struktur des Lichternsees einer Vielzahl von Wasserbewohnern ausreichend und passenden Lebensraum.

Wir betrachten stellvertretend das südöstliche Ende, an dem die Veränderungen am deutlichsten zu sehen sind.

Im Bild von 2018 deutlich zu sehen, die allmähliche Verlandung des Sees.

Rot markiert derselbe Bereich wie rechts der gelb markierte Bereich. Quelle: siehe unten.
Deutlich zu sehen das von den ehemals 4,10 m Wassertife nicht mehr viel geblieben ist...

“Zur Limnologie des Lichternsees, eines Rückhaltebeckens im Bereich der Wiblinger Donaustaustufe bei Ulm von Herbert Göpel, Ute Krull-Savage, Elsbeth Nusser und Uwe Tessenow Abteilung Biologie III Universität Ulm Oberer Eselsberg”

*    Hier konnten als einzige Stelle im See 4m Wassertiefe festgestellt werden

Nach neuesten Messungen von 2019 mit einem Echolot, konnten wir feststellen das wir im Mittel nur noch 3m Wassertiefe haben.

 

Das Sediment am Grunde des Sees besteht zum Großteil nicht mehr aus grobem Sand/Kies/Geröll, welches Flora und Fauna sowohl als Wachstumsgrundlage wie auch Habitat diente, sonder aus feinstem Schwemmsand, der bis zu 3m der ursprünglichen Wassertiefe unwiederbringbar vernichtet hat. Man muss beileibe kein Raketenwissenschaftler sein um zu verstehen das sich in solch dichtem, kompakten Sediment Leben nur schwer ansiedeln kann. Warum sonst schüttet der ambitionierte Hobbyhandwerker wohl feinen Quarzsand zwischen seine neuen Bodenplatten.

Richtig – um Pflanzen das Wachstum zu erschweren oder sie ganz daran zu hindern. Und hier reden wir von Körnungen von 0,1-1,0mm und nicht wie im Lichternsee von 0,1 und darunter.

 

Einzig an den Stellen an denen damals Wassertiefen von bis zu 5m zu verzeichnet wurden, dort wurde bereits so viel Sediment angeschwemmt, dass sich dort erfolgreich Seerosen ansiedeln konnten. Ein weiteres Indiz über den Zustand des Sees, auf dem Weg hin zum Sumpfgebiet.

 

Durch die verringerte Wassertiefe und das zerstörte Laichsubstrat zeigen sich nun auch schwerwiegende Veränderungen im Altersgefüge der vorkommenden Fischarten.

 

Netzabfischungen des Regierungspräsidiums Tübingen haben bei mehrfachen Überprüfungen ergeben das es wohl noch kapitale Exemplare einzelner Fischarten gibt, eine tatsächlich Alterspyramide aber nicht mehr festgestellt werden kann.

 

Ehemalige Leitfische wie der Hecht oder die Schleie, beides Fischarten die in Massen im See vorkamen, gingen sowohl den Wissenschaftlern des RP als auch den Anglern nur noch selten ins Netz. Kleiner Exemplare scheinen gänzlich zu fehlen. 

 

Nun ist dies keine wissenschaftlich fundierte Abhandlung, sondern eine Zusammenfassung der Beobachtungen, die die Angler am Lichternsee über die Jahre machen konnten.

 

Zusätzlich zur strukturellen Veränderung des Gewässers kommt auch noch die Veränderung der Fauna, insbesondere der Vogelwelt.

 

Waren am Lichternsee in früheren Zeiten Haubentauchen, Graureiher, und Eisvogel die fischfressenden Vögel am Wasser so sind es heute dutzendweise Kormorane und Gänsesäger, die sich das Bankett mit den oben genannten teilen.

 

Ein Gewässer welchem die Grundlage für die natürliche Reproduktion von Futterfischen genommen wird, kann eine solche Masse an Fressfeinden nicht wegstecken. Und in einem Naturschutzgebiet kann man diesem Treiben keinen Einhalt gebieten, Vergrämungsmaßnahme sind nämlich dort verboten!

 

Aber außer den genannten Fischfressfeinden muss der See auch noch die Horden von Gänsen aufnehmen. Während es den Anglern früher nicht leicht gemacht wurde am See zu angeln, nicht von den Vögeln, sondern von den massiven Beständen an Schilf, Röhricht und Wasserlilien, sehen die Ufer heute aus wie in einer englischen Parkanlage.

 

Das Schilf, der Röhricht und alle erreichbaren Pflanzenbestände werden regelrecht und ausdauernd abgeweidet. Auch hier verschwindet großflächig wichtiger Laich- und Lebensraum.

 

Doch was sind nun die Pläne, um aus dem „Naturschutzgebiet“ Lichternsee ein noch besseres Habitat zu machen?

 

Nun ja, zu aller erst wird geplant. Seit 2011, über zehn Jahre beschäftigt sich ein Tübinger Planungsbüro damit, welche Terraforming-Prozesse in Gang gesetzt werden müssen um aus einem offensichtlich funktionierendem naturnahen Ökosystem, dem ja der Adelsstempel „Naturschutz“ verliehen wurde, planbares Naturerlebnis zu kreieren. Bei einer Ortsbegehung wurde der See von eben diesem Büro als stehendes Gewässer tituliert, bei einem Zufluss von 58m ein ganz logische Erkenntnis. Aber was will man von einem Planungsbüro erwarten, welches den See aus Google Maps kennt und sich die 90 km Anfahrt wohl bisher geschenkt hat.

 

Aber was sind die Pläne?

Anhand der unten stehenden Skizze erläutern wir die Pläne, so weit uns bekannt und zeigen die  einhergehende Unsinnigkeit auf:

Verlegung des Hochwasserwalls

 

Der Hochwasserwall und die darauf und drumherum wachsenden Feldgehölze waren einst zentraler Punkt der Vogelzählung von Mair & Anka. Hier und im Gebiet Gronne/Lichternsee sollten sich laut Beobachtungen der Vogelschutzfanatiker rund 2/3 der in Deutschland vorkommenden Vogelarten wohlfühlen und das Gebiet sowohl als Raststätte bei den Zugbewegungen als auch als  Brutgebiet genutzt haben. Dies wurde bei der Begehung durch die zuständigen Biologen nochmals bestätigt. Einen Großteil der entsprechenden Vogelarten konnten diese wohl beim Abgehen eben dieses Habitats durch Bestimmen der Vogelstimmen eindeutig zuordnen.

 

Nun fällt dieser wichtige Brutraum dem Bulldozer zum Opfer. Was da wohl unsere Vogelschützer sagen würden?

 

Ausbaggerung einer Flachwasserzone

 

Da zwischen Seeufer und der zentral gelegenen großen Insel nur 20 Meter Wasserfläche liegen, sorgen sich die Naturformer um die Ruhe der auf der Insel nistenden Vögel. Auch sollen diese eine großflächige Flachwasserzone zur Nahrungsaufnahme und Aufzucht bekommen. 

 

Grundsätzlich befürworten wir als Angler ja Flachwasserzonen als Laich- und Aufzuchtgebiete. Wäre es nicht, wie in diesem Fall, so eindeutig schwachsinnig.

 

Zunächst befindet sich auf der nach Süden weisenden Seite der Insel ein ausgedehntes Flachwassergebiet, es wäre also keinesfalls nötig hier ein weiteres zu schaffen. 

 

Warum sich Vögel a) durch Spaziergänger auf 20m gestört fühlen sollten und b) sollte das so sein nicht einfach die andere sonnenverwöhnte Seite der Insel wählen sollten, scheint einer äusserst sonderbaren Logik zu entspringen.

 

Des weiteren haben wir ja bereits festgestellt das es sich bei dem See keinesfalls mehr um ein stehendes Gewässer handelt. Vielmehr um einen sterbenden, verlandenen Donau-Arm.

 

Nehmen wir der Verengung* an der Insel nun auch noch Ihre Beschleunigungskraft (Venturi-Effekt) wird der Verlandungsvorgang nur um ein Vielfaches beschleunigt. Einzig die Stelle, an denen die Planer die Flachwasserzone schaffen möchten, dient als Ventil, die es dem See ermöglicht überhaupt einen Teil des Schwemmmaterials loszuwerden bevor es ausfällt. 

 

So wird hier nur ein Sumpfgebiet erstellt, bezahlt mit den Steuern der Bürger.

 

Aufschütten einer Aussichtsplattform

 

Schon eingangs wurde erwähnt, dass den Verantwortlichen für das Naturschutzgebiet eines offenbar besonders wichtig war: Lenkung, Gleichrichtung und Überzug des Gebiets mit Verboten und Geboten. Im Sinne der Gleichrichtung, in der jeder Bürger das selbe Naturschutzerlebnis haben soll, wird auf der Halbinsel in der Mitte des Gewässers eine Grill- und Beobachtungsstelle errichtet werden. Was diese im Naturschutzgebiet zu suchen hat, sei dahingestellt. Ganz ohne Zuckerbrot und Peitsche kommt auch die Rettung der Welt nicht aus. Auf dem sterilen, neuen Damm an der Hans-Lorenzer.Straße entlang wird es einen Naturlehrpfad geben. Der sich dann in einer von Menschenhand gemachten Parkanlage befindet. Natur pur halt…

 

Und um all dem noch die Krone des Hohns aufzusetzen soll im Blau markierten Bereich ein Hügel als Aussichtsplattform aufgeschüttet werden. Von dort aus haben Sie dann nach Norden einen wunderbaren Blick auf die Wieland-Werke, Gardena und das Donautal, nach Süden können Sie bei gutem Wetter im Herbst, über den See hinweg, unter Hochspannungsleitungen hindurch die B30 mit Ihrem regen Treiben sehen. 

 

In einigen Jahren werden wir diesen Steuersumpf dann mit weiteren Steuergeldern zuschütten. Kein Mensch und schon gar nicht die Anwohner und Beschäftigten im Donautal werden dann noch die Heerscharen von Mücken dulden können die aus dem stinkenden, verlandeten Sumpf über sie herfallen.

Beschreibung der Fischerei im Lichternsee

    1. Fangstatistiken  

Zur Überprüfung ob sich die Fangergebnisse bestimmter Fischarten am Lichternsee bei Ulm im Laufe der Zeit verändert haben, wurden historische Fangdaten des Fischereivereins Ulm/Neu-Ulm von 1977 –  2015 ausgewertet.

 

Als Datengrundlage wurden die Mitteilungsblätter des Fischereivereins Ulm/Neu-Ulm verwendet.

 

Folgende Fischarten wurden betrachtet:

 

  • – Aal
  • – Barsch
  • – Brachse
  • – Hecht
  • – Karpfen
  • – Schleie

 

Betrachtet man die graphische Auswertung (siehe untenstehende Grafik) so ist ein deutlicher Rückgang der Fangergebnisse zu erkennen. Es zeigen sich zwar Lücken in den Fangstatistiken, jedoch ist bei allen Graphen ein Abwärtstrend zu beobachten.

Grafik 1: Zeitliche Entwicklung der Fänge bestimmter Fischarten am Lichternsee/ULM

Um eine Aussage treffen zu können, ob eine Korrelation zwischen den Fangergebnissen und einem Rückgang der Fischpopulation am Lichternsee Ulm besteht, müssen weitere Parameter berücksichtigt werden. Diese sind unter anderem:

 

  • – Besatzmaßnahmen einzelner Fischarten
  • – Populationsbetrachtung (Abfischergebnisse)
  • – Jagddruck (durch Angler, Kormoran)
  • – Habitatveränderung

 

Unbestritten hat sich jedoch die Fischerei am Lichternsee und das Gewässer selbst verändert.

 

So wurden mehr oder weniger restriktive Maßnahmen getroffen, die möglicherweise die Fischerei und den Fischbestand maßgeblich beeinflusst haben. Beispielsweise wurde die Vergabe von Fischereiberechtigungen für den Lichternsee begrenzt. Hierzu wurden Kontingente vergeben und die Anzahl aktiver Angler am Lichternsee hat nach Neuordnung der Fangberechtigungen abgenommen. Dies stützt die Abnahme der Fangergebnisse.

 

Das Habitat Lichternsee, des Baggersees mit ursprünglich nur einer stromabwärts gewandten Öffnung, wurde durch eine weitere flussaufwärts gewandte Öffnung massiv beeinflusst. Während sich der Lichternsee vor der Öffnung im jährlichen Zyklus unabhängig von der Donau erwärmen und abkühlen konnte, wird dieser Effekt immer kleiner und gleicht sich zunehmend an die, ihn speisende, Donau an.

 

Zunächst hatte die Öffnung keinen großen Effekt auf das Habitat Lichternsee, jedoch wurde im Laufe der Jahre durch den regulären Abtrag und zusätzlich durch Hochwasser diese Öffnung immer größer (s.Punkt 4.) Zur Veränderung des Temperaturprofils kommt auch der Abtrag von Uferzonen und dem Eintrag und die Ablagerung von Sedimenten. Das Strömungsprofil verändert sich nun stets sodass Ufer abgetragen werden und Freiwasserzonen verlanden. Die stetige räumliche Veränderung sowie des Temperaturprofils haben sicherlich einen Effekt auf die Größe und Zusammensetzung der Fischpopulation.

 

 Die Fangergebnisse sind nicht mit dem Bestand der einzelnen Fischarten gleichzusetzen, jedoch entsteht auch am Gewässer der subjektive Eindruck, dass die Abnahme der Fangergebnisse mit einer Abnahme der Gesamtpopulation einzelner Fischarten einhergeht.

Rip R I P Rest In Peace Death  - aitoff / Pixabay

Aussicht, Ausblick -> Der Lichternsee wird sterben!

Eine harte Aussage, klar.

Was aber geschehen wird lässt sich in den letzten Jahren beobachten und in die Zukunft projizieren. Die Verlandung wird fortschreiten, der Fraßdruck auf die restlichen Fischbestände wird hoch bleiben, positive Effekte durch die geplanten Maßnahmen wird es nicht geben, ergo, geht der See vor die Hunde, die nicht angeleinten!

 

Da alle gutgemeinten Hinweise und teilweise auch Proteste durch die Anglerschaft ignoriert und als selbstsüchtig abgestempelt werden gibt es wohl keine Chance dies aufzuhalten –

SCHADE!!!